Bis 2001 studierte Ansgar Rolfes (31) Grafik- und Kommunikationsdesign an der Rhein-Sieg-
Kunstakademie in Hennef. Bereits während dem Studium war er für Agenturen und
eigene Kunden tätig. Zusätzlich unterrichtete er als Dozent für Werbefachkunde an
der Rhein-Sieg-Kunstakademie. Nach einiger Zeit als fest angestellter Art Director
bei einer Kölner Werbeagentur wagte er 2005 erneut den Schritt in die
Selbstständigkeit und gründete das bfsd – büro für strategisches design. Seit
2009 bestehen die Räumlichkeiten des Büros in der Balthasarstraße 72 im
Agnesviertel. Hier habe ich ihn zum Interview getroffen.

Was machst du im Moment?
Ich arbeite an einem Erscheinungsbild für eine Designgalerie, die bald eröffnen wird.
An den Auftrag bin ich durch bestehende Kontakte gekommen. Ich habe für die Auftraggeberin schon einige Jobs gemacht.
Dieses Projekt beschäftigt mich gerade sehr – zeitlich und natürlich gedanklich. Strenge Vorgaben für das Erscheinungsbild hatte ich nicht. Aber wie bei jedem Job ist es wichtig heraus zu finden, was der Kunde will, was für ihn und seine Situation richtig sein könnte. Die Lösung muss man zusammen erarbeiten. Nur so wird das Ergebnis sinnlich und sinnvoll.
In welchen Bereichen arbeitest du generell?
Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Bereich der „Corporate Identity“. Das interessiert mich am meisten. Hauptsächlich mache ich „Identitätsdesign“ für kleine und mittelständische Unternehmen. Oftmals sind es natürlich auch nur Teilprojekte. Ich biete vom Logodesign bis zum übergreifenden Gestaltungssystem alles an und arbeite teilweise mit externen Partnern. Ich mache zwar auch die Konzeption und die Gestaltung für Websites, aber programmiere sie nicht. Das gebe ich gern ab. Wichtig ist mir bei all dem, dass Inhalt und Form zusammen passen, deswegen sehe ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit auch in der Beratung. Aus diesem Grund möchte ich gar nicht unbedingt zu große Unternehmen betreuen. Ich könnte diese Aufgaben sonst nicht mehr im Rahmen meines Büros bewerkstelligen, wäre weniger eigenständig und eher ein weiterer Dienstleister unter vielen. Bei mittelständischen Organisationen mag ich die Kommunikation auf Augenhöhe und die Möglichkeit als Designer auch als Berater tätig sein zu können.
Stichwort Akquise: Woher bekommst du Jobs?
Bis jetzt hatte ich Glück: Alles lief über Empfehlungen. Ich arbeite je nach Auftrag auch mit anderen Designern zusammen, die ich meist von früheren Projekten kenne.
Lehnst du Jobs ab?
Ja, das kommt schon vor. Meist scheiterte die Zusammenarbeit an unrealistischen, zu geringen Honorarvorstellungen der Auftraggeber – also ganz einfach aus finanziellen Gründen. Manchmal fehlt aber auch die Bereitschaft zu inhaltlicher Auseinandersetzung. Die Entscheider denken dann: „Warum nervt der uns jetzt mit so vielen Fragen, wir wollen doch nur eine Broschüre.“ Ich glaube jedoch, dass man nur pointiert kommunizieren kann, wenn man wirklich verstanden hat, was den Kunden bewegt. Wenn die Ansichten dahingehend zu unterschiedlich sind, wird es schwierig. Aus diesem Grund habe ich auch schon mal ein Projekt abgebrochen.
Woher nimmst du deine Inspiration, wie gehst du bei deiner Arbeit vor?
Ich frage mich und den Kunden zu Beginn: Was ist das Problem? Wo wollt ihr hin, was sind die langfristigen Ziele? Hat man dies gemeinsam mit dem Kunden festgehalten -im wahrsten Sinne des Wortes- schafft man sich eine Plattform, von der aus man kreative, zielgerichtete Lösungen erarbeiten kann. Ansonsten bewegt man sich nur in einem nebulösen Raum.
Design muss eine Funktion erfüllen. Sonst ist es nicht sinnvoll und existiert nur zum Selbstzweck. Dann ist es Kunst. Wobei ich damit nicht sagen will das Kunst „sinnlos“ ist, aber man sollte sie nicht mit Design verwechseln.
Warum arbeitest du nicht von zu Hause aus? Das wäre doch sicherlich günstiger.
Mir ist die räumliche Trennung von Arbeit und Privatem sehr wichtig, vor allem seid ich Vater geworden bin. Sonst verschwimmen die Grenzen. Gerade als Selbstständiger arbeitet man ja permanent, bzw. man könnte immer was tun – man ist nie „fertig“. Da ist es wichtig, auch für sich selber klare Regeln zu schaffen.
Wie beurteilst du die Kölner „Designszene“?
Wenn es eine geben sollte – dann bin ich wohl nicht drin… (lacht). Nein, ich war beispielsweise auf der letzten Ausstellung der KISD. Die Arbeiten dort fand ich mitunter super, ich hatte das Gefühl da tut sich was, da kommen viele Ideen zusammen. Die Vernetzung dort untereinander, mit der Stadt und der Wirtschaft scheint sehr gut zu funktionieren. Aber ich sehe das ja nur als Außenstehender. Ich habe nicht in Köln studiert, deswegen bin ich da etwas außen vor. Es gibt aber viele kleine Designbüros hier in Köln, in denen gute Arbeiten entstehen. Vielleicht müsste man sich neben den etablierten Netzwerken hier untereinander mehr austauschen.
Du hast an einer privaten Uni studiert – hattest du dadurch schon einmal Nachteile?
Ich habe an der Rhein-Sieg-Kunstakademie in Hennef studiert. Für mich war das Studium dort ein absoluter Glückstreffer, denn ich war vorher planlos, bin da ganz unbedarft rangegangen. Ich habe ja auch kein Abitur. Mir hat die Zeit dort neue Horizonte eröffnet. Ich hatte endlich das Gefühl: Das kannst Du gut, hier kannst Du Dich mit Deinen Stärken einbringen. Nachteile dadurch, dass ich keinen staatlich gleichwertigen Abschluss habe, hatte ich nach dem Studium noch nie. Manchmal wird man eventuell schon mal „komisch“ angeguckt, aber das ignoriere ich geflissentlich. (lacht) Für mich persönlich zählt das was man tut und nicht, wo man studiert hat. Nicht einfach ist es, wenn man als Dozent arbeiten will. Dann muss man in den meisten Fällen einen rechtlich gleichgestellten Abschluss haben.
Hast du es schon einmal bereut dich selbstständig gemacht zu haben? Welche Fehler sollte man vermeiden?
Nein, ich habe nie bereut dass ich mich selbstständig gemacht habe. Natürlich habe ich auch Fehler gemacht und mache sie auch heute noch – aber das ist ganz normal. Man lernt nie aus. Mehr als früher höre ich heute eher auf mein Bauchgefühl. Das ist wie im Auto, bevor man überholt: Wenn man ein blödes Gefühl dabei hat, sollte man es einfach lassen. Andererseits auch mal etwas wagen, von dem andere vielleicht sagen: „Mach´s nicht“. Auch schön ist ein Zitat von Stefan Sagmeister. Ganz einfach und ganz wahr: „Don´t work with assholes.“ (lacht)
Arbeitest du auch an eigen initiierten Projekten, ohne externen Auftraggeber?
Im Moment leider nicht. Dazu fehlt mit einfach die Zeit. Aber ich habe ein paar Skizzenbücher, die mich beschäftigen würden, wenn ich sie hätte.
Was ist dein Traum, wo soll es hingehen?
Natürlich wünsche ich mir, dass sich das Büro weiterentwickelt. Aber ich brauche nicht viel mehr. Toll wäre es, die Zeit und das Geld zu haben um mehr eigene Projekte ohne kommerziellen Hintergrund realisieren zu können. Aber diese Antwort hat wahrscheinlich klischeemässig jeder Designer parat (lacht).
Ansgar, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!
Links:
http://www.b-f-s-d.de/ – büro für strategisches design


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