USE LESS von Nika Rams + Interview

USE LESS Stöpsel für die Steckdose - schützt vor Stromflut

Nika Rams studierte in Maastricht (NL) Produktdesign und machte dort 2008 ihren Abschluss zum Thema Nachhaltigkeit, obwohl dies kein Bestandteil ihres Studiengangs war. Ich durfte Nika kurz auf der „ökoRausch“ Messe 2009 in Köln kennenlernen und war direkt begeistert von ihren verschiedenen Lösungen um auf die Verschwendung unserer Ressourcen aufmerksam zu machen.

Unter dem Produktnamen „USE LESS“ (engl. für „verbrauche/benutze weniger“) versucht Nika auf lockere Art und Weise auf das Thema verschwenderisches Konsumverhalten im täglichen Leben aufmerksam zu machen. Ihre Arbeiten sollen beim Betrachter ein Bewusstsein für das Thema entstehen lassen und ihn gleichzeitig motivieren anders zu handeln.

Nika war so freundlich und hat mir per E-Mail einige interessante Antworten auf meine Fragen gegeben. Und zu gewinnen gibt es auch noch etwas!!!

Interview

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Nika Rams - Foto: Andreas Fischer / Wuppertal

Nika, erzähl mir etwas zu Deinem Werdegang und Studium

Wenn ich so zurückblicke, stelle ich fest, dass mich das Thema Design irgendwie schon immer fasziniert hat. Ich weiß nicht, ob es an meiner Bewunderung für Serienhelden wie MacGyver oder Daniel Düsentrieb lag =), oder an meinem verwurzelten, polnischen Drang alles zu hinterfragen und sich mit Hilfe von Improvisation das Leben leichter zu gestalten. Aber ich wusste schon relativ früh, dass ich eine art Erfinder werden wollte. Ich wählte also schon in der Schule den Kunst LK, machte während der Schulzeit ein Praktikum in einer Werkstatt bei einem Möbelmacher und nach meinem Abitur gleich noch ein Praktikum in einer Industrie Design Agentur. Schließlich studierte Produkt Design an der Kunstakademie in Maastricht und machte letztes Jahr (2008) meinen Abschluss. Seitdem bin ich selbstständig und arbeite als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Projekten mit. Zuletzt war das die ökoRausch 2008 und 2009 in Köln, oder auch Ursula Tischners Büro econcept, für das ich seit Anfang des Jahres tätig bin.

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Die Küchenrolle mit Perforation

Warum bist Du in die Niederlande gegangen?

Nun, da gab es gleich mehrere Gründe: Ich bin irgendwie ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Also hat es mich sowieso sehr gereizt ins Ausland zu gehen um einfach etwas Neues kennen zu lernen. Auf die Kunstakademie in Maastricht bin ich dann durch einen Freund aufmerksam geworden. Zuletzt war es aber auch die lockere niederländische Mentalität von der ich mir viel mehr Freiheiten und somit Raum für Kreativität versprach.

Das Thema Nachhaltigkeit war sicher nicht Teil Eures Studiengangs, oder?

Leider war das Thema Nachhaltigkeit in der Tat kein Bestandteil meines Studiums. Obwohl ich es sehr schade finde und der Meinung bin, dass dies ein Bestandteil eines jeden Studiengangs sein sollte, so war es aus künstlerischer Sicht auch ein Segen, dass man sich quasi unbelastet und somit völlig frei entfalten konnte.

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Nur das benutzen was man auch braucht …

Wie bist Du dann auf das Thema Nachhaltigkeit gekommen?

Nachhaltige Gestaltung zu machen war für mich quasi die einzig logische Schlussfolgerung nach meiner Recherche für meine Thesis. Während meines Studiums hatte ich hatte sehr viel Spaß und wusste, dass es das Richtige für mich war. Doch irgendwann – wie es in dem Alter wahrscheinlich so üblich ist – fing ich an mich nach einem „tieferen Sinn“ zu fragen. Warum machte ich eigentlich Design? – Ich war mir irgendwann einfach nicht mehr sicher, ob allein die Tatsache dass es mir Spaß machte und ich den Menschen durch meine Interpretation von Komfort das Leben erleichtern konnte, für eine “Genugtuung am Ende eines Lebens” reichen würde.

Also wollte ich sicher gehen, dass ich auch etwas Wichtiges und vor allem Sinnvolles tue und setzte mich in meiner Abschlussarbeit mit Fragen wie: ‘Warum Design?’, ‘Was wollen und vor Allem was brauchen Menschen wirklich?’, bis hin zu ‘Was ist Glück?’, auseinander.

Ich fand u.a. heraus, dass das was wir wollen und das was wir brauchen, nicht zwangläufig immer dasselbe ist, und dabei auch das Glück meistens auf der Strecke bleibt. Durch meine Recherche wurde ich auch auf einige Dinge und Gewohnheiten in unserer Gesellschaft aufmerksam, die mich die Richtigkeit unserer Lebensweise in Frage stellen ließen.

Tatsachen, dass 20% der industrialisierten Weltbevölkerung 80% aller Ressourcen verbrauchen, während die Reichtümer der Erde stetig schwinden und die Natur mit Klimawandel reagiert, sind mit Sicherheit nichts Neues mehr; vielmehr sind solche Informationen leider schon so abgestumpft, dass Menschen die wahren Konsequenzen und das Bewusstsein, dass sie etwas damit zu tun haben könnten, gar nicht mehr richtig an sich heran lassen.

Doch als mir bewusst wurde, dass ich als Designer direkten Einfluss auf jenes schädliche Konsumverhalten unserer Wegwerfgesellschaft hatte und ich im klassischen Verständnis von Design diese Maschinerie durch neue und vielleicht auch überflüssige Trends nur noch weiter unterstützen würde, habe ich beschlossen etwas dagegen zu tun und Design für eine “bessere” Sache zu instrumentalisieren.

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Taschentücher mit bekanntem T-Shirt Label das die Wertigkeit hervorhebt

Was bzw. wer waren Inspirationsquellen für deine Diplomarbeit?

USELESS. – Das war, auf den Punkt gebracht, die einzig logische Schlussfolgerung meiner Recherche. Ich habe also einfach konsequent versucht mit so wenig wie möglich, nur so viel wie nötig zu gestalten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. So ist vom doppeldeutigen Titel bis zur Formwahl, bei der ich bewusst keine „neuen“ Formen geschaffen habe, Alles bis auf das Wesentliche reduziert. Auch der funktionale Rahmen ist auf die drei typischen Dinge die wir im täglichen Leben verbrauchen, herunter gebrochen.

Mein Ziel war es mit einer puren und schlüssigen Gestaltung Position zu beziehen um zu zeigen, dass man auch mit weniger Mitteln das Ziel erreicht

Würdest Du Deine Arbeiten also als „edukative“ Kunstobjekte bezeichnen?

Ja, das kann man so sagen. Als Produkte befinden sich meine Objekte ja eher in einer paradoxen Situation, da sie als solche ja eigentlich zum Gebrauch oder besser, zum “Konsum” anregen sollten. Genau das Gegenteil ist aber der Fall. Die eigentliche Funktion liegt also eher in der Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Schärfen des Bewusstseins.

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Mein Favorit: der Wasserhahn mit PET-Schraubverschluss

Wie geht’s weiter? Hast Du nach dem Studium oder durch dein Diplom Jobangebote bekommen?

Nach meinem Studium bin ich direkt in eine Reihe von Ausstellungen und Messen hineingestolpert. Ich war überrascht, wie viel Anklang dieses Thema in der Außenwelt fand, weil es im Rahmen der Akademie doch eher die Ausnahme war. Aus einer Veranstaltung ergab sich so die Nächste und aus einem Projekt wiederum der nächste Job. So bin ich quasi völlig unvorbereitet in die Position einer “selbstständigen Designerin” hineingeraten. Und auch wenn es nicht einfach ist, bin ich im Endeffekt doch froh und dankbar dafür, dass ich jetzt schon in einer Position bin, in der ich mich eigentlich erst in ein paar Jahren gesehen habe… und Spaß macht es mir immer noch. =)

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Autsch!

Was genau bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Ich glaube Nachhaltigkeit bedeutet für mich einfach Dinge zu Ende zu denken; mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, zu hinterfragen und sich des Großen und Ganzen immer wieder bewusst zu werden. Die Konsequenzen des eigenen Handelns, im Guten, wie im Schlechten werden sich meiner Meinung nach viel zu selten zu Gemüte gezogen. Wir sind alle überfordert von unseren täglichen Pflichten, das dafür einfach kein Platz mehr bleibt. Gerade deshalb finde ich es so wichtig solchen Gedanken durch kleine Gesten auf die Sprünge zu helfen.

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Website

Gewinnspiel

Nika hat mir netterweise einen ihrer „Stöpsel“ zur Verfügung gestellt und diesen möchte ich hiermit gerne verlosen. Jeder, der einen Kommentar bis zum 3. Dezember 22:00 Uhr hier im Beitrag hinterlässt, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Ich werde mit einem Zufallsgenerator den Gewinner ermitteln und schriftlich benachrichtigen. Stammautoren des ecologs sind von dem Gewinnspiel ausgeschlossen.

Natürlich würde ich mich (und Nika bestimmt auch) sehr darüber freuen, wenn Ihr auch weiterführende Gedanken zum Thema „Nachhaltigkeit“ und „verschwenderischer Umgang mit Ressourcen“ in den Kommentaren hinterlasst.

  • Veröffentlicht in Interviews, Kampagne, Produktdesign von Tobias Battenberg
  • Schlagworte: | | | |
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    11 Kommentare

    1. Erstellt am 28. November 2009 um 13:48 | Permanent-Link

      Großartig! Super Ideen und gute technische Umsetzung. Werde die Tage auch noch darüber schreiben…Grüße von Sebastian

    2. Michael
      Erstellt am 28. November 2009 um 18:52 | Permanent-Link

      Sehr schöne Arbeiten. Gefallen mir gut. Meine Favoriten sind das Küchentuch und das Tempotaschentuch. Und ich will den Stöpsel gewinnen ;-)

    3. Olli
      Erstellt am 29. November 2009 um 21:15 | Permanent-Link

      Wirklich schöne Arbeit! Am besten finde ich den stöpsel und den Wasser(flaschen)hahnverschluss!

    4. Mikail
      Erstellt am 30. November 2009 um 02:06 | Permanent-Link

      Wow, wie kann man nur so denken… echt schöne Gedanken.

    5. fan of green
      Erstellt am 30. November 2009 um 09:24 | Permanent-Link

      Super!

    6. Julia
      Erstellt am 30. November 2009 um 11:08 | Permanent-Link

      Eine tolle Arbeit! Jedes Produkt spricht für sich, das finde ich spannend in so einer Serie…kann man diese Küchenrolle irgendwo kaufen? ;-)

    7. Erstellt am 2. Dezember 2009 um 11:18 | Permanent-Link

      Ich habe die Arbeiten schon letzte Jahr auf der Ökorausch bewundern dürfen und vor allem auch die Leute, die sich die Arbeiten angesehen haben. Alleine diese unterschiedlichen und häufig verwirrten Reaktionen waren es wert. :P Die Serie ist wirklich ein Hingucker und lässt vor allem die Leute stutzig werden, die sich so schnell nicht freiwillig mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen.

      … und ich will den Stöpsel gewinnen :)

    8. Erstellt am 2. Dezember 2009 um 11:31 | Permanent-Link

      Super Ideen! Schließe mich da meinen Vorrednern an: Der Wasserhahnverschluss ist genial, die anderen Ideen auch nicht zu verachten.

    9. Erstellt am 2. Dezember 2009 um 11:37 | Permanent-Link

      Tolle Arbeiten!
      Die scheinbare Banalität und Nutzlosigkeit regt regt Phantasie und Umweltbewusstsein an und lässt schöne Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit entstehen.
      Wenn ich den Stöpsel gewinne, verspreche ich viel Strom zu sparen!

    10. Maxim
      Erstellt am 2. Dezember 2009 um 13:46 | Permanent-Link

      Der Stöpsel könnte mich davor retten bei dem Versuch irgendwas in die
      Wasser-bedampfte Steckdose direkt über dem Herd einzustecken getötet zu werden

    11. Mikail
      Erstellt am 5. Dezember 2009 um 12:19 | Permanent-Link

      oh mann, wieso hat der generator keine 4 ausgespuckt…

      :( ((((

    Ein Trackback

    1. Von USE LESS – Der Gewinner » ecolog am 4. Dezember 2009 um 11:05

      [...] den „Stöpsel“ gewonnen hat, sehr Ihr in diesem [...]

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