SchriftMischMusterbuch – Rezension

Ich habe mir das SchriftMischMusterbuch von Wiebke Höljes mit dem Untertitel „Dreiklänge“ beim Hermann Schmidt Mainz Verlag gekauft und werde im Folgenden meine Eindrücke dazu schildern.

Das Buch möchte ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Möglichkeit bieten unterschiedlichste Schriften direkt auf Papier miteinander zu kombinieren.

Dazu ist das Buch (wie bekannte Kinderbücher) in drei Teile geteilt, die man einzeln blättern kann. Dies ermöglicht dem Betrachter Headline, Fließtext und Subtext in 32 bekannten Schriften zu betrachten und miteinander zu mischen. Insgesamt gibt es 56 Schriftschnitte und durch das Mischen können sich rein rechnerisch 175.616 Kombinationen ergeben – es entsteht der typographische Dreiklang der über Harmonie oder Dissonanz entscheidet.

Zu den Schriftschnitten und den Mustern (ABCabc123…) findet man noch viele tolle Zusatztexte zu jeder Schrift. So kann man noch einiges lernen und erfahren.

Oftmals wird der Eindruck der Schrift auf dem Papier vom Designer vernachlässigt. Er verlässt sich gern aus Bequemlichkeit auf seine Bildschirmansicht. Dafür sei, so die Buchautorin, das Musterbuch auch als Anreiz zu verstehen um Schrift auch auf Papier gedruckt zu betrachten.

„Der Computerbildschirm trügt. Schnell ist da ein Text zu weit gesperrt, ein Wort zu dick gesetzt und die Schriftmischung lässt auch zu wünschen übrig. Um ein Schriftbild richtig beurteilen zu können, muss man es eben doch ausgedruckt sehen. Denn Schrift ist in erster Linie für Papier gemacht, auf dem sie vollständige ihre Wirkung entfaltet.“

Das Buch ist sicher ein interessantes Nachschlagewerk für Schrift-Kennenlerner. Der Verlag allerdings betont die Möglichkeit, die sich einem Designer bietet: spontan beim Kunden Schriftbeispiele gedruckt auf Papier vorlegen zu können.

Entstanden ist das Musterbuch im Jahr 2000 – dies ist schon eine Weile her – allerdings sind die bereitgestellten Schriften zeitloser Natur, was ich hierbei mal wieder mit einem beruhigendem Gefühl feststellen konnte. Qualität ist meist von Dauer.

Zum Thema Qualität muss ich auch auf die Verarbeitung des Buches eingehen. Das Erste, was mir auffiel war das schwergängige Blättern der „Dreiklänge“. Schuld daran ist zum Einen die Ringbindung die manchmal etwas hakelig wirkt. Vielleicht wäre da eine runde Lochstanze besser in der Handhabung – das kann ich aber leider nicht genau abschätzen. Zum Anderen ist das Papier recht glatt, so dass es mir immer aus den Fingern gleitet oder sich nicht gut greifen lässt. Ich neige dazu das gewünscht Blatt mit dem Finger anzuschieben, hochzubiegen und dann darunter zu greifen un dann umzublättern, wie man im Video sehen kann. Dies führt allerdings recht schnell zu unschönen Knicken in den Einzelblättern. Eventuell wäre da ein etwas raueres Papier besser – dies könnte allerdings den Druck der feinen Haarlinien mancher Schriften wieder negativ beeinflussen – die ja doch so wichtig sind.

Nunja, das verwendete Papier ist ein Munken Pure, 115 g/m2, ein holzfreies, alterungsbeständiges, gelblich weißes Designpapier ohne optische Aufheller mit einem 1,13 fachen Volumen. Da man im Jahr 2000 wohl noch nicht so sehr auf die Zertifizierung der Papiere geschielt hat ist im Impressum dazu nichts vermerkt. Heutzutage wird dieses Papier mit einem FSC-Mix Zertifikat versehen. Mehr Infos zu FSC-Mix unten als Link.

Gedruckt und hergestellt wurde das Buch in Bozen, Italien und ist 2001 in einer 2. Auflage erschienen.

Fazit
Schönes Buch, interessante und liebevolle Informationen zusammengebracht mit einem Zusatznutzen – was will man mehr? Vielleicht nur, dass das Blättern ein wenig besser klappen würde. Man kann selbst darin stöbern und die Details lesen, man kann aber auch spontan einen Kunden beeindrucken und somit um den Finger wickeln. Toll!

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3 Kommentare »

  1. Erst Mal danke, lieber Tobias Battenberg, für die intensive Auseinandersetzung! Die Schwergängigkeit beim Blättern liegt an – aus Erfahrung wird man klug – etwas zu engen Ringen des Büchleins und daran, dass wir die Lochung einen kleinen Haus zu weit innen im Blatt angebracht haben. Wir dachten damals, das verhindert das Ausreißen, tuts auch, aber so sind sich die Blätter ein bisschen selbst im Weg. Aus Erfahrungweiß ich, dass man “Blättererfahrung” sammelt ud nach einer Weile gut zurecht kommt. Was nicht heißt, dass wir diese Erfahrung in ein ähnliches Projekt nicht einfließen lassen würden!
    Wiebke Höljes hat das Büchlein übrigens als Diplomarbeit an der FH Mainz gemacht. Uns freut das immer ganz besonders, wenn wir Arbeiten aus dem Hochschulkontext eine Chance geben können…
    Noch mal DANKE Karin Schmidt-Friderichs

    • Daniel Angermann sagt:

      Schön zusammen getragen. Ich wünsche bei diesem Dreiklang: Format! Dann könnte es viel besser funktionieren.

      gruß

  2. Marc Alex sagt:

    Erst dachte ich, was blättert er da so leicht unbeholfen, hektisch und vermeintlich genussfrei durch das Büchlein, doch rechtfertigt sich das Video dann dadurch, dass es den Haken des Büchleins gut nachvollziehbar dokumentiert: dessen „Hakeligkeit“.

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