
„Ich glaube, man sollte technische Anlagen so lange nutzen, wie sie sicher sind“
… so RWE-Chef Jürgen Großmann im ARD Morgenmagazin. Immer wieder werden in der Atomdiskussion einzelne „positive“ Aspekte aufgegriffen und aufgebauscht. Klar sind Atomkraftwerke relativ sicher – es wurden schließlich Milliarden in die Kernkraftwerke und deren Sicherheit gepumpt. Aber was heißt hier in diesem Fall sicher?
„Kerngedanken“ – eine kleine Artikelreihe verschiedenster Blickwinkel über die umstrittene Energiegewinnung durch Kernspaltung. Mehrere Autoren werden hier in nächster Zeit verschiedene Aspekte der Atomenergie durchleuchten.
Sicherheit tot geredet?
Die Vergangenheit zeigt immer und immer wieder, dass es zu Fehlern kommen kann. Sei es aufgrund einer Fehlberechnung von Bauwerken, Unwissenheit, menschlichen Versagens, Naturkatastrophen etc.. Es entstehen sogar Flugabwehrsysteme um Kraftwerke, wie zum Beispiel in Frankreich, vor einem Flugzeugabsturz/Terroranschlag zu schützen. Schön, aber dennoch die Frage: „Was ist mit der Sicherheit?“ Die atomaren Unfälle der Vergangenheit zeigen schließlich, dass die Wahrscheinlichkeit zwar gering ist, aber dennoch die Möglichkeit eines Unfalls besteht. Wer an solch einer Katastrophe im Endeffekt die Schuld trägt, ist meiner Meinung nach nebensächlich, in Anbetracht der Todeszahlen und der Kontamination der Umwelt. Selbst wenn wir von einer Sicherheit von 99,9% sprechen ist das Risiko dennoch präsent. Schließlich soll die Pille für die Frau auch zu 99,9% sicher sein, dennoch kommt es zu „Unfällen“. Wer oder was diesen Unfall auslöst ist irrelevant – das Ergebnis ist das was zählt. Auch ist das Vertrauen stark angeknackst, wenn man sich verschiedene Geheimhaltungstaktiken in der Vergangenheit anschaut. Nicht nur im Ausland ist dies passiert, auch in Deutschland (siehe Krümmel, Nukem).
Auch wird die Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht angesprochen, welche erschreckenderweise festgestellt hat, dass Krebs-, bzw. Leukämiefälle im Umkreis von 5 km eines AKWs bei Kleinkindern unter 5 Jahren signifikant zunehmen. Kann hier von akzeptabler Sicherheit gesprochen werden? Und wieso wird hierüber nicht mehr diskutiert, sondern lediglich darüber, ob AKWs nun die neuen Klimaschützer sind oder nicht?
Entsorgung, aber wo?
Selbst wenn Deutschlands Atomkraftwerke einen hohen Sicherheitsstandard aufweisen, ist die Frage der Endlagerung immer noch nicht geklärt. Sämtliche Lagerplätze in Deutschland sind Zwischenlager und selbst diese stoßen nach 30-40 Jahren auf ihre Probleme. Ob es Decken sind, die sich lösen oder Wasser in die Schächte eintritt – das sind Probleme die nach 20-30 Jahren entstanden. Wie soll dieser Müll dann Tausende, wenn nicht gar Millionen von Jahren sicher gelagert werden? Früher war es sicherlich einfacher und viel kostengünstiger. Die Fässer wurden auf Schiffe verladen und auf hoher See versenkt. Dank dem internationalem Abkommen von 1993 ist es nun verboten Atommüll von Schiffen aus zu versenken. Aber anscheinend ist es wirklich genau diese Formulierung, anders kann man sich die legale Entsorgung durch unterirdische Abwasserrohre in den Ärmelkanal nicht erklären (Wiederaufbereitungsanlage La Hague, Frankreich). Andererseits machen wir an Land auch nichts anderes als die Erde mit radioaktivem Abfall vollzustopfen. Was hat Frankreich mit Deutschland zu tun, fragt man sich, es geht hier schließlich um eine Debatte um AKWs in Deutschland? Nun ja, auch wenn die Umweltverschmutzung keine Ländergrenzen kennt – so lange Deutschland sein Uran in Frankreich anreichern lässt, tragen wir eine gewisse Mitverantwortung. Schließlich nimmt Deutschland den unbrauchbaren Restmüll wieder zurück – was uns wieder zu den „End“-Lagerplätzen bringt. Diese sind nichts anderes als unterirdische Hohlräume mit nicht unerheblich vielen Tonnen Last auf der Decke. Was mit diesen Hohlräumen auf längerer Sicht passiert, zeigen die stillgelegten Bergbauschächte welche von Sicherheitsexperten ständig bewacht werden müssen. Selbst diese Experten sagen, dass kein Schacht von Dauer sein kann da dieser auf kurz oder lang einstürzen wird!
Atomenergie wird immer als günstig und sauber angepriesen – sauber im CO2 Ausstoß evtl. – günstig nur, weil die Kosten der Endlagerung der Staat trägt. Das heißt die Energiekonzerne entziehen sich hier ihrer eigentlichen Verantwortung. Würden die Energiekonzerne die Kosten der Endlagerung selber tragen, kommt man sicherlich nicht mehr auf den aktuellen Kw-Preis und selbst die Energiekonzerne würden sich Gedanken über Rentabilität der AKWs machen. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass doppelt gezahlt wird: einmal an den eigenen Energiekonzern und einmal an den Staat, der die Steuern für die Endlagerung rausschmeißt. Selbst wenn zu Hause Ökostrom bezogen wird …
Quellen:
- http://www.wendezeit.ch/atomkraftwerke-erhoehen-krebsrisiko-leukaemie
- http://www.tagesschau.de/wahl/aktuell/atomenergie112.html
- http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,654829,00.html
- http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,655684,00.html
- http://www.zeit.de/2009/32/Interview-Troge
- http://www.zeit.de/newsticker/2009/10/8/iptc-bdt-20091008-606-22636618xml
- http://www.zeit.de/wirtschaft/2009-10/laufzeiten-atomkraftwerke-auflagen
- http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/arte-reportage/2767030.html















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