
Am 12. März 2009 lief Johannes B. Kerners 1111. Talksendung im ZDF mit einem Spezial zum Thema „Klima“. Kerner „gehe mit gutem Beispiel voran“, so die ZDF-Website zur Sendung. Gäste waren u.a. der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, ein Klimaforscher, ein Bürgermeister sowie Claudia Langer von utopia.de und ein Mitarbeiter von Stiftung Warentest.
Es wurde viel getalkt, hauptsächlich darüber, was jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen und dabei gleichzeitig noch bare Münze sparen kann. Mit diesem Argument versuchte „JBK“ den aktiven Klimaschutz immer wieder schmackhaft zu machen.
Nach etwa 10 Minuten wurde im Studio das Licht auf Neonlicht umgeschaltet – fortan saßen die Gäste merklich im Dunklen und erschienen leicht bläulich auf dem TV-Bildschirm. Laut ZDF verbrauchte das Neonlicht nur 0,5 Prozent der Energie der sonstigen Studiobeleuchtung. Genauer gesagt nur 2000 statt 400.000 Watt – das ist schon eine Menge. Leider hielt dieser Einspareffekt nur die restlichen 50 Minuten.
Gleichzeitig wurden laut ZDF für diese Sendung (wohl aber nur für diese Folge) noch andere ökologisch verträgliche Maßnahmen umgesetzt, wie z.B. die Anreise der Gäste mit (größtenteils) öffentlichen Verkehrsmitteln, Bio-Kleidung für Kerner, Moderationskarten aus Altpapier und Bio-Catering aus der Region. Echte Belege dafür gab es leider nicht.
Viel spannender als jeden Ökotipp finde ich allerdings die Frage, wie ernst es Kerner eigentlich mit uns und dem Klimaschutz meint.
Betrachtet man nämlich mal seine „Nebentätigkeiten“, kann man seinen Auftritt in der Sondersendung kaum noch als glaubwürdig bezeichnen.
Corny
Der neueste Streich des Moderators ist eine Werbekampagne für den Müsliriegel „Corny“ mit dem Slogan „Kerner mag’s kernig“. Dort erzählt er in einer dümmlichen Bauernverkleidung von seinem Kindheitstraum ein Bauer zu werden. Nach einer Traktorfahrt durch eine 3D Landschaft fällt der Bauernhof in dem er eine Pause macht auseinander und man sieht den Moderator in einem Fernsehstudio – „da ja doch alles anders kam“.
„Ich bin viel unterwegs und ständig gefordert. Corny ist da ideal für mich, um zwischendurch Energie zu tanken und locker weiterzumachen.“
Alles nicht so tragisch, jedoch fördert Corny im Zuge der Kampagne die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Ebenso wie Nutella und Coca Cola den Jugendfussball fördern, ist das aus meiner Sicht eine Frechheit.
Betrachten wir uns nämlich mal die Nährwertangaben eines einzelnen Riegels genauer wird klar, dass so ein „Snack für Zwischendurch“ ganz schön „belastend“ sein kann.
Ein normaler Corny-Riegel wiegt 25g, hat 110kcal, 8,6g Zucker (entspricht 6 Würfel Zucker), 15,5g Kohlenhydrate und 4,5g Fett. Aber Corny hat ja auch den Corny-Free, den Riegel „ohne Zuckerzusatz“ im Angebot. Dieser wiegt 5g weniger, also 20g, liefert 65kcal, 0,3g Zucker, zusätzlich 7,3g Süßstoffe und 2g Fett. Die Kohlenhydrate sind mit 13,4g etwas niedriger als beim normalen Riegel. „Free“ bedeutet in dem Fall also nicht „frei“ – es heißt ja nicht „ohne Zucker“ sondern nur „ohne Zusatz von Zucker“ – Energielieferanten sind beide Riegel in jedem Falle.
Futtert man drei Corny’s hat man mehr „Energie“ zu sich genommen als beim Verzehr eines Cheeseburgers.
Krasser fällt allerdings der Vergleich mit einem Apfel aus:
(der Fairness wegen rechnen wir mit einem Stück Apfel, das 25g, also genauso viel wie ein Cornyriegel wiegt)
- Kalorien: 13,75kcal (Corny hat 8 mal mehr)
- Kohlenhydrate: 2,75g (Corny hat 5 mal mehr)
- Fett: 0,145g (Corny hat 31 mal mehr)
- Eiweiß: 0,07g (Corny hat 25 mal mehr)
Ob das so sportlich für unsere Kinder ist, ist fraglich.
Bonaqua
Aus dem Hause Coca Cola stammt die Wassermarke Bonaqua. Kerner wurde als Testimonial für diverse Kampagnen für das als „Tafelwasser“ deklarierte Getränk eingespannt. Kerners Gage soll Gerüchten zu Folge allein 2002 bei fünf Millionen Euro gelegen haben.
Das Wasser von Coca Cola besteht zu 99,9 Prozent aus gechlortem Leitungswasser, das in zehn Betrieben in Deutschland abgefüllt wird. Geliefert wird das Wasser z.B. von den Wasserwerken Soest. Chlorbehandlungen des Leitungswassers sind jedoch für die Entkeimung üblich. Verkauft wird das ganze in hübschen Plastikflaschen zu einem Preis der sich gewaschen hat. Stellenweise liegt der „Leitungswasserpreis“ von Bonaqua über dem Preis von echtem Mineralwasser. Das ist schon verrückt. Aber ein langer Transport durch Europa mit dicken LKW’s kostet ja auch Geld.
Gutfried Geflügelwurst
Bei Kerner scheint es wohl auf Grund seiner Sportmoderationen auch in der Werbung immer um Fitness zu gehen. Da passt es natürlich wenn seine Frau (eine bekannte Hockeyspielerin) ihm in der Wurstwerbung die Schnittchen schmiert. Immerhin hat Gutfried jüngst nach einer Greenpeace Aktion zugesichert, dass die geschlachteten Puten in Zukunft aus tierfreundlicher Haltung kommen sollen und angeblich achtet Gutfried auch auf den Verzicht von genmanipulierten Zusatzstoffen im Futter. Von Bio ist hierbei leider keine Rede.
Air Berlin
Fliegen ist bequem, geht schnell und wurde in den letzten Jahren immer günstiger. Weniger sportlich, aber gewohnt „locker“ hielt auch Kerner sein Gesicht für das Flugunternehmen hin. Das Fliegen nicht immer die umweltfreundlichste Art ist sich Fortzubewegen, scheint jedem plausibel. Air Berlin hingegen setzt dem Ganzen jedoch noch die Krone auf. Eine der größten deutschen Fluggesellschaften weigerte sich, den klimaschädlichen Luftverkehr in den weltweiten Emissionshandel einzubeziehen, solange dies für das Unternehmen nicht wirtschaftlich sei und CO2-kompensierende Flugtickets, wie sie z.B. die Lufthansa anbietet, wollte das Unternehmen ebenfalls nicht einführen. Im Jahr 2007 hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) dem Air Berlin Vorstandschef Joachim Hunold deswegen den Dinosaurier des Jahres (den “peinlichsten Umweltpreis Deutschlands”) für seine Ignoranz gegenüber notwendigen Klimaschutzmaßnahmen verliehen.
Fazit
Kerners Nebenbeschäftigungen in Form von Werbeverträgen stocken das Gehalt des Moderators ordentlich auf. Jedoch finde ich die Zusammenarbeit mit Unternehmen, deren ökologisches Verhalten nicht immer positiv zu bewerten ist, für eine Person die so im Zentrum der Öffentlichkeit agiert mehr als fragwürdig.
Glaubwürdig ist die Sondersendung zum Thema Klima mit 50 Minuten Neonlicht und Bio-Catering dadurch sicher nicht.
Eigentlich schade, da hätte man mehr draus machen können, locker.
Quellen
- zdf.de – Johannes B. Kerner – komplette Sendung vom 12.03.2009
- corny.de – mit Nährwertangaben (Flash)
- corny bei FoodWatch
- Gutfried.de – Kontrollierte Markenqualität
- klimAktiv.de – Vorstandschef von Air Berlin erhält Dinosaurier 2007
- Manager Magazin – Der große Schmu mit Tafelwasser
- prcenter.de – Köstlich-kerniger Etatgewinn (Corny)
- Spiegel Online – Air Berlin will keine CO2-neutralen Tickets anbieten
- Welt Online – EU zwingt Airlines zum Klimaschutz





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Kann ich absolut unterschreiben. Was für mich in der Position von Kerner in den öffentlich-rechtlichen auch absolut nicht geht ist die Teilnahme an der Kampagne der Bild Zeitung, die er charmant mit den Worten “Es heißt Bild dir deine Meinung! Manchmal wäre mir mehr Bildung und weniger Meinung lieber.” vertritt. Finde ich ja noch sehr, sehr schmeichelhaft ausgedrückt, aber was macht man nicht alles für Geld
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