Der amerikanische Regisseur David Lynch ist bekannt für seine skurrilen, surrealen Filme, die den Zuschauer entweder voll und ganz in ihren Bann ziehen oder aber abschrecken. Da der verstörende Inhalt der meisten Werke Lynchs keinem speziellen Genre zugeordnet werden kann, sprechen die Amerikaner auch gerne vom „lynchian Cinema“. Filme wie Eraserhead, Blue Velvet, Lost Highway, Mulholland Drive oder jüngst auch Inland Empire stehen für einen eigenen, alptraumhaften Kosmos, von dem sich das Publikum, wenn es erstmal eingetreten ist, nur schwer wieder befreien kann.
Einige Jahre war es still um Lynch, nun veröffentlichte er das „Interview Project“, das seit dem 1. Juni auf davidlynch.com verfolgt werden kann. Eingeschworene Fans des „lynchian Kosmos“ mag das Projekt zunächst abschrecken, stellt es doch einen starken Kontrast zu Lynchs bisherigen, fremdartig anmutenden Filmen dar (ausgenommen dem Film „The Straight Story“, der der Idee des IP sehr ähnelt).
Für das Interview Project hat Lynch zusammen mit seinem Sohn einen 32.000 Kilometer langen Roadtrip quer durch die USA gemacht. Auf diesem begegneten ihnen über hundert Menschen, die sie interviewten und mit der Videokamera festhielten.
Den Reiz des Interview Project machen die zufälligen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus, die über ihr Leben, über Sorgen und Ängste, über Pläne für die Zukunft oder Träume und Wünsche sprechen. Die Intensität, in der die verschiedenen Charaktere auf einen wirken, wird durch die ruhigen, fast schon meditativen Kameraeinstellungen nochmals um einiges verstärkt. Der Fokus soll auf das Wesentliche gelenkt werden, auf den Menschen selbst. Er steht mit seinen individuellen Bedürfnissen und Ansichten im Mittelpunkt des Interview Project. Vorurteilsfrei wird das Portrait verschiedener Menschen mit verschiedenen Dialekten und verschiedener ethnischer Herkunft gezeigt.
Alle drei Tage wird ein neues Video online gestellt, das einem die wunderbare Möglichkeit bietet, Menschen aus einer präsenten und doch so fremdartigen Kultur kennen zu lernen. Diejenigen, die sich die Portraits anschauen, fühlen schnell eine gewisse Verbundenheit zu den Menschen. Sie alle verbindet eine Sache: die Herausforderungen und das Glück des Menschseins.
Daniel Hyngar
Links:
- http://interviewproject.davidlynch.com/www/
- http://www.davidlynch.com/
- http://davidlynch.de/
- http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/tracks/Diese-Woche/2090717/1463726.html
- http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/tracks/Diese-Woche/2090717/1470940.html
- http://twitter.com/interviewproj


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Vortrefflich, gleich mal hinbeischauen.
Sehr schöne Arbeit. Geht nah…
Ich mag die »Interviews« sehr.
Es sind ja eher Selbstauskünfte.
Ich Kann immer noch gar nicht richtig glauben,
dass Lynch die gemacht.
Schöne Arbeit für sich und ein toller
neuer Step im Schaffen von Lynch,
wie ich finde.
Ich musste an Dorothea Langes Fotos zur
Zeit der großen Depression denken.
Bewegend. Ich wünscht’ sie mir hin und wieder
etwas länger, die Selbstauskünfte.
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