
Ich beziehe neuerdings grünen Strom. Endlich, der Wechsel war ein Kinderspiel. Aber wo landet eigentlich mein Geld, das bei meiner Bank angelegt ist? Meine Bank investiert – wie alle konventionellen Banken – in Unternehmen, die die Atomindustrie (mit)finanzieren. So fliesst mein Geld doch noch der Kernkraft zu. Das will ich nicht. Das muss auch nicht sein. Es gibt Banken, die mein Geld sinnvoller einsetzen, die Atomenergie nicht finanzieren, die zudem nachhaltig in allen Bereichen mit dem Geld ihrer Anleger umgehen.
Es gibt mehrere Bezeichnungen für diese Art der Geldanlage, ich benutze hier den Begriff ethische Geldanlage. Geld anlegen und Gutes tun, auf diesen Ausspruch kann man den Kern des Gedanken bringen. Bei einer konventionellen Bank kann ich in der Regel nicht nachprüfen, für welche Unternehmungen mein Geld verliehen wird, welche Kredite an wen vergeben werden, was also mit meinem Geld passiert. Alternative Banken arbeiten nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Investiert wird nur in Projekte, die ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien entsprechen. Alternative Banken wenden verschiedene Kriterien an, um dies zu gewährleisten. In diesem Artikel stelle ich die Ethikbank, die GLS Bank und die Umweltbank vor.
Es gibt im Wesentlichen drei Ansätze, von denen ich hier zwei vorstelle.
Zum einen den Ansatz des Ausschlusses nach festgelegten Negativkriterien. Bei der GLS Bank sieht diese negative Ausschlussliste folgendermaßen aus (gekürzte Fassung):
- Atomenergie
- Biozide
- chlororganische Massenproduktion
- Verletzung von Arbeits- und Menschenrechten
- Embryonenforschung
- grüne Gentechnik
- Kinderarbeit
- Pornografie
- Produzenten und Händler hochprozentiger alkoholischer Getränke
- Rüstung
- Tierversuche
Es gibt auch kirchliche Anbieter, die ebenfalls Bankgeschäfte mit ethischem Hintergrund bieten. Auf diese Banken gehe ich allerdings nicht ein, da sie mit negativ Kriterien arbeiten, die zum Beispiel Kondome bzw. Verhütungsmittel ausschließen. Damit fallen Sie für mich aus dem Kreis der potentiellen Banken für ethische Geldanlagen heraus. Nachhaltig und verantwortungsvoll kann ich diesen Ausschluss einfach nicht finden.
Der zweite Ansatz ist eine Festlegung von Positivkriterien. Kapital erhalten hier nur Unternehmen, die sich ökologisch und ethisch vorbildlich verhalten.
Ein Auszug aus der Positiv-Liste der Ethikbank:
Aktien und Industrieanleihen nur von Unternehmen, die Standards erfüllen in:
- Umweltpolitik und -managementsysteme
- Leistungen im Umweltbereich
- Geschäftspolitik unter Beachtung der Menschenrechte
- Förderung, Gleichberechtigung und Vielfalt der Mitarbeiter
- Vorsorgemaßnahmen gegen Korruption und Bestechung
Verschiedene Banken setzen verschiedene Kriterien an. Manche arbeiten mit reinen negativ Kriterien, einige sowohl mit negativen als auch mit positiven Listen.
Die GLS Bank legt sogar ihre Geschäfte für jeden offen. In einer von der GLS Bank herausgegebenen Zeitschrift für Bankkunden kann man erfahren, wohin Gelder geflossen sind, welche Projekte unterstützt wurden, und zwar mit Verwendungszweck, Summe und Namen derjenigen, die Kredite erhalten haben. Das kann dann folgendermaßen aussehen: Umbau der Montessori-Schule Heidelberg: 20.000 Euro. Aids-Hilfe Stuttgart, Ausbau der Geschäftsstelle: 40.000 Euro. Öko-Korn-Nord in Betzendorf, Kauf eines Lagers: 200.000 Euro.
GLS Bank, Ethikbank und Umweltbank, jede dieser Banken hat ihre eigenen Kriterien, verschiedene Anlagemöglichkeiten und unterschiedliche Leistungsspektren.
Einen Vergleichsrechner etwa wie bei Strom gibt es leider nicht, allerdings eine empfehlenswerte Seite, um sich einen kurzen Überblick über die Unterschiede der Banken zu verschaffen: www.ethische-geld-anlage.de
Wo aber lege ich nun mein Geld an? Bei der GLS Bank, der Ethikbank oder der Umweltbank?
Eine persönliche kurze Einschätzung.
Die Umweltbank ist eine Direktbank, das heißt, ein Filialnetz ist nicht vorhanden. Bankgeschäfte laufen nur über online- bzw. homebanking. Die Kommunikation erfolgt per Telefon, Fax und Post. Die Umweltbank bietet kein Girokonto an. Da ist mir die GLS Bank mit ihrem Angebot näher, sie bietet Girokonten und verfügt immerhin über sieben Filialen in Bochum, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Stuttgart, Berlin und München. Leider nicht in Köln. Allerdings kooperiert die GLS Bank mit anderen genossenschaftlichen Banken, an deren Automaten man mit der GLS BankCard kostenfrei Geld abheben und Kontoauszüge ausdrucken kann. Kooperierende Banken sind zum Beispiel die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Ethikbank bietet ebenso wie die GLS Bank Girokonten und die Kooperation mit den Volks- und Raiffeisenbanken.
Die Umweltbank, hat sich ökologischen und nachhaltigen Projekten verschrieben. Die Ethikbank und die GLS Bank gehen meiner Meinung nach einen Schritt weiter, in dem sie nicht “nur” ökologische sondern auch sozial, kulturell und ethisch nachhaltige Finanzanlagen bieten.
Mein Favorit ist die GLS Bank. Sie ist die erste und älteste (deutsche) Bank, die nach ethisch-ökologischen Grundsätzen arbeitet. Sie bietet Girokonten und Kooperationsbanken, arbeitet nach ethischen UND ökologischen Grundsätzen und erhielt 2005 als erste Bank in Deutschland die bestmögliche Bewertung im Nachhaltigkeitsindex der Ratingagentur Ethibel.
Links zu den vorgestellten Banken:
Quellen:
- http://www.ecoreporter.de
- http://www.forestfinance.de/index.php?id=605
- http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3371
- http://www.gruenesgeld.at/
- http://www.zeit.de/2009/25/F-Gruene-Banken?page=2
- http://www.zeit.de/online/2007/21/serie-nachhaltigkeit-gls-bank
- brand eins 11. Jahrgang Heft 07 Juli 2009, Artikel „Die Bank für die guten Geschäfte“















Vielen Dank für diesen Beitrag!
Na, als ich den Titel las, war ich schon ein wenig verwirrt. Aber der Artikel hat dann mehr als entschädigt, klasse geschrieben, stimme voll zu.
Liebe(r) AutorIn,
vielen Dank für diese kurze und schöne Darstellung der Möglichkeiten, mit dem eigenen Geld in Deutschland auch etwas gestalten zu können. Bzw. man gestaltet mit Geld ja immer, aber wie ihr sehr schön dargelegt habt, weiß man das bei den konventionellen Banken meist nicht. Das Geld liegt ja immer brav auf dem Konto, so sieht es zumindest auf dem Auszug aus… Dass dieses unser Geld von den Banken natürlich verwendet wird, um Dinge zu finanzieren, mit denen wir uns sonst/privat nur sehr ungern in Verbindung setzen lassen möchten, ist leider noch nicht vielen Menschen bewusst. Schön, dass ihr zur Verbreitung dieses Gedankens beitragt!
Herzliche Grüße vom Institute for Social Banking!
Katha
[...] wann haben Sie zum letzten Mal über einen Bankwechsel nachgedacht? Orientierung bietet zum Beipiel der ecolog. Veröffentlicht in Commons based Economy, Organisation. Schlagworte: Bürgengemeinschaften, [...]
Es macht glücklich, Recht haben sie
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